Zeitgeschehen

 

Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen von M.J.B.

Hindergrundwissen - Zahlen - Fakten

und manchmal den blanken Sarkassmus aus

"berufenen Munde". Liebe LeserInnen es lohnt zu schmökern.

Kind auf einer Schaukel
Ende Feb. 07
Verursacherprinzip!

Herr Beck fordert, für mehr Kinderbetreuung muss die Gegenfinanzierung über das zukünftige Kindergeld kommen, sprich geplante Erhöhungen werden gestrichen! So weit so richtig, wer Kinder in die Welt setzt und damit den Staat belastet, muss auch dafür aufkommen - meint jedenfalls der Vorsitzender der SPD.
Nun meint die eigentlich koservative CDU das müßte schon die Allgemeinheit tragen und bei Herrn Beck's Modell würden sogar die bestraft, die Kinder hätten aber keine Betreuung beanspruchten (z.B. weil Kind schon in der Schule oder bei Mama zu Hause). Hier gewinnt man langsam den Eindruck, dass die SPD, aufgrund der fallenden Unfragewerte, alle ihr bisherig heiligen Werte langsam über Bord wirft um die CDU rechts zu überholen und so dass sinken des Schiffes zu verhindern.

Mitte Feb.07
Zwei-Klassen Justiz?

Wenn ich Sie jetzt frage: "Was ein Arbeitsloser und der ehemalige VW Aufsichtsrat Peter Harz gemeinsam hat", werden viele sicherlich spontan antworten, das Harz IV Gesetz. Der eine schrieb es - der Andere muss danach Leben. Im Prinzip richtig, aber es gibt noch andere Berührungspunkte. Auch wenn sich beide noch nie begegnet sind und sicherlich dies auch dies nie tun werden, so haben ihre Schicksalswege doch viele Gemeinsamkeiten aufzuweisen.Erstens beide sind Straffällig geworden! Wobei der eine über 2 Mio. Euro in seinen Betrieb veruntreute hat und deswegen des 44maligen Betruges angeklagt wurden ist, wogegen der Andere (der Arbeitslose) 2 Brötchen und ein kleines Stück Kräuterbutter im Wert von 85 Cent gestohlen hat.

Aber warum nun kein Abkommen für den Arbeitslosen, wie bei Herrn Hartz oder Herrn Ackermann? Sie erinnern sich, dass war der Mann, dem man vorwarf er habe ca. 60 Mio. Euro veruntreut, aber das ganze Verfahren wurde, aufgrund eines Deals mit der Staatsanwaltschaft, gar nicht erst aufgenommen. Auch hier war es wieder Geld - quasi eine Taschengeld - welches den Manager vor einer harten Strafe bewahrte. Also warum bot man dem Arbeitslosen nicht an, gegen die Zahlung von 2 Euro - was für den Arbeitslosen den Wert eines Taschengeldes darstellt - wird das Verfahren eingestellt. Nein, und hier sind wir bei der nächsten Gemeinsamkeit von dem diebischen Arbeitslosen und Peter Harz dem Millionenbetrüger, denn beide wurden nun, von einem deutschen Gericht, rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Jetzt fragen Sie vielleicht: ist das nicht etwas zu hart für den Arbeitslosen Mitbürger!? Nein muss ich ihnen da antworten, denn schließlich will man abschreckend auf Nachahmungstäter einwirken. Überlegen Sie einmal: offiziell haben wir 4,1 Mio. Arbeitslose - inoffiziell sogar fast 8 Mio. (die ganzen 1 Euroshopper, Kranken, ABM Kräfte, Hausfrauen, die in Weiterbildung seienden und all die Anderen, die in der offiziellen Statistik nicht vorkommen mit dazu gerechnet), wenn die alle denken: "Eh, 2 Brötchen + ein kleines Stück Kräuterbutter klauen bleibt Straffrei, also rein in die Supermärkte und Bäckereinen ..." - können Sie sich vorstellen, welch enormen volkswirtschaftlichen Schaden da angerichtet würde?! Da sind ja Herrn Harz seine Verfehlungen Peanuts dagegen.
Also lieber den Einen richtig bestrafen und damit Schaden für alle Abwenden. Außerdem so schlecht geht es den Verurteilten ja nun auch wieder nicht, denn - und hier haben wir also noch eine Gemeinsamkeit - beide erhalten, obwohl Sie ja nun Straffällig geworden sind, ihre Bezüge weiter - der Eine 25.000 der Andere 345,- Euro.

Feb. 07
"Arbeitslosenjonglistik"

Die Agentur für Arbeit hat soeben die neuesten Arbeitslosenzahlen bekannt gegeben. Laut offizieller Statistik waren im Januar 425 Mio Menschen als Arbeitslos registriert. Was verschwiegen wird, sind die Menschen, die zwar Arbeitslos aber trotzdem Dank des einen oder anderen Taschenspielertrick nicht in der Statistik auftauchen. Als allererstes zu nennen sind hier z.B. 600.000 1 Euro Jobber oder die 1 Mio Menschen die in Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen (z.B. "Wie bewerbe ich mich richtig") bzw. ABM sind. Da wären auch noch 100tausende Ältere, die zwar ihr Geld vom AA bekommen aber halt nicht mehr in der Statistik auftauchen, weil Sie als nicht vermittelbar gelten. Eine weitere große Gruppe Arbeitsloser die nicht in den 4,25 Mio enthalten sind, sind die die mit Grippe oder einer anderen Krankheit im Bett liegen. Im klartext bedeutet dies: Auch wenn man uns glauben machen will, dass die Arbeitslosenzahlen zurückgehen, es ist leider nicht so!
Aber wie sagte einmal ein berühmter Politiker: "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast". Schlimm ist nur, dass es keine kritischen Medien mehr gibt, die dieses Thema aufgreifen!

Dez06/Jan.07
Reich durch Hartz IV

Wer in letzter Zeit so diverse Talkshows verfolgt, in denen diverse Politiker immer mehr die Diskussion in die Richtung führen "Reich durch Hartz IV und was können wir dagegen tun", fragt sich vieleicht das eine oder andere Mal, wieso er noch nicht ALG II Bezieher ist und das Leben in vollen Zügen genießt. Da muss ich mir ja wirklich manchmal das Ohr durchspülen, weil ich nicht glauben kann, was ich da höre. So nebenbei gibt es auch mal wertvolle Tipps von einem ständig unrasierten auftretenden Politiker an Arbeitslose, die sich doch nur einmal rasieren bräuchten, dann fänden sie auch Arbeit.Dazu passen dann die ständigen Erfolgsmeldungen, der ständig fallenden Arbeitslosen-zahlen. Natürlich sind das jetzt nicht alles rasierte, denen nun die Arbeitgeber hinterherhecheln um sie zur Arbeit zu bitten. Es sind in letzter Zeit auch immer mehr Menschen, die wegen 1 Euro Jobs einfach aus der Arbeitslosenstatistik herausfallen. Da empören wir uns offiziell über Hungerlöhne von 3,- 4,- Euro, die in manchen Osteuropäischen Ländern oder China gezahlt werden und bei uns im reichen Deutschland gilt man ganz offiziell als beschäftigt, wenn man 1,- Euro Lohn bekommt.

Nov. 06
Mein Vorschlag: Steuern zahlen über eine "Freiwillige Selbstverpflichtung"

Auf 166 Lehrstellensuchende kommen gerade einmal 100 vorhandene Lehrstellen. Noch nie haben in diesem Lande so viele Ausbildungsplätze gefehlt, allein in Sachsen fehlen 3.000 Lehrstellen. Aber die Bundesregierung preist nach wie vor die "Freiwillige Selbstverpflichtung" der Wirtschaft ausreichend Lehrstellen zur Verfügung zu stellen. Man nennt sie sogar einen Erfolg. Irendwie erinnert mich das an längst vergangene Zeiten und den Satz: "Genosse Erich Honecker, wir haben den 5-Jahresplan erfüllt und übererfüllt".

Okt. 06
Beschwerde die II

Franz Müntefering ist aufgebracht. Irgendwelche weltabgewandten Soziologen haben es gewagt, die Menschen, die in diesem - an sich reichen Staat - in ständiger Armut Lebe, als Unterschicht zu bezeichnen. Wie Don Quichotte gegen die Windmühlenflügel kämpft nun Franz Müntefering dafür oder dagegen, dass es sie überhaupt gibt - die ständig wachsende Armut und die Armut an sich, in diesem Lande gibt. Nach dem Motto; Was ich nicht seh, existiert auch nicht. Außerdem verhagelt es mir die Bilanz als Arbeitsminister. Im übrigen leben lt. offizieller Statistik, inzwischen 1,9 Mio Kinder in Armut.

Sept. 06
Manager Klaus Kleinfeld

möchte bei Siemens 162.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen, denn Siemens geht es schlecht. Z.B. der Handyproduktion, bei der lt. des Betriebsratsvorsitzenden eindeutig Mangmentfehler dafür verantwortlich sind, das es mit der Handysparte bei Siemens ständig berab ging, weil man immer der Innovation hinterherhinkte. Verantwortlich dafür so Michael Leuckner ist nicht nur Heinrich v. Pierer (jetzt Vorsitzender der Innovationskommission der Bundesregierung!) sondern eben auch sein Nachfolger Klaus Kleinfeld. Dieser befand im übrigen nicht nur, dass es Siemens schlecht geht, er stellte auch fest, dass er mit 3,3 Mio Jahreseinkommen vollkommen unterbezahlt wird und ließ sich die Vorstandsbezüge um 30%! erhöhen. Nach der Pleite von BenQ bei der 3000 Stellen verloren gehen, setzte er diesen Vorstandsbeschluss generös für 1 Jahr aus.

Anzumerken wäre noch, dass lt. der Universität Mannheim 70% der Firmen auf Grund von Managementfehlern und nicht wegen der ständig beklagten hohen Lohnnebenkosten, Insolvenz anmelden müssen.

August 06
Beschwerde

Auf einer großen Pressekonferenz muß ein Leidgeprüfter Franz Müntefering der Presse einmal sein Leid, wegen der kontinuierlich sinkenden Umfragewerte, klagen. Er kann es überhaupt nicht verstehen, wieso die Bürger die SPD an ihren Wahlversprechen messen und partout nicht einsehen wollen, dass die Sozialdemokraten diese in irgendeiner Schublade verschwinden lassen haben. Schon garnicht konnte er das einsetzende Gelächter der Pressevertreter verstehen und bezeichnete es als unfair.

Juli 06
Zu Studiengebühren

"Um einer breiten Masse ein Studium zu gewähren, bedarf es keines Studiengebührenverbotes." Diesen Satz des Bundesverfassungsgerichtes sollte man sich durch den Kopf gehen lassen. Ein Widerspruch an sich! Oder die Logik der heutigen Zeit? Der kurze Kommentar eines Politikers: Bildung ist eine Investition in die eigene Zukunft. Eigentlich ein richtiger Satz, aber bisher wahr mir dieser Satz nur mit einer anderen - ideellen nicht materiellen - Interpretation bekannt.
In Deutschland gibt es 1.016.089 Kinder und Jugendliche die von Sozialhilfe leben. Wie sehen deren Bildungschancen aus, wenn Bildung eine Investition ist, die man selbst tätigen muss, damit man auch daran teilhaben kann. Dazu passt noch der Kommentar des DIW: Die 500 € über die hier geredet werden, kann nur ein Einstieg sein, über kurz oder lang müssen die Studiengebühren bei 2500 € liegen.
Seit Januar haben wir Hartz IV, und mit Hartz IV, so schätzt der Paritätische Wohlfahrtverband und der Kinderschutzbund ein, rutschen 350.000 Kinder zusätzlich in die Armut, weil deren Arbeitslose Eltern mit einem Drittel weniger Geld auskommen müssen. Werden diese Eltern Ihren Kindern jemals eine Bildungschance kaufen können? Heute schon kommen nur noch 13 Prozent der Studenten aus einkommensschwachen Familien.

Juni 06

Der Allianz Versicherungskonzern hat die Entlassung von 5.000 Mitarbeitern angekündigt, und dies bei einem Gewinn 2005 von 4,4 Mrd Euro. Die soziale Marktwirtschaft verabschiedet sich so langsam aber sicher vollkommen aus den Köpfen der Konzernvorstände. Abkassieren auf Teufel komm raus, so das Motto einer Managerriege, für die das Wort Verantwortung nicht mehr existiert. Kapital verpflichtet, steht im Grundgesetz! Fragt sich nur - wer kennt dieses nostalgische Werk noch. Die Allianz hat jedenfalls dieses Jahr noch eine höhere Gewinnerwartung und die Bundesregierung möchte gerne dieses Jahr, solchen Konzerne, wie die Allianz, eine weitere Steuerersparniss zusprechen, denn dies schafft ja schließlich Arbeitsplätze. Ein Argument, das jedesmal herhalten muss, wenn wir wieder mal über Steuerentlastungen für Großkonzerne nachdenken. Nur steigen mit jeder Steuerentlastung zwar die Gewinne, aber eben leider auch die Arbeitslosenzahlen. Gewinne werden schon lange nicht mehr in Arbeitsplätze investiert. Fragt sich nur, wann endlich die Bundesregierung umdenkt und nur denen eine Steuerentlastung zugesteht, die Arbeitsplätze schaffen und nicht nur Gewinne scheffeln.

Mai 06

! Achtung Fußballfreie Zone !
Geht es Ihnen auch so, man kann keinen Schritt mehr gehen, ohne dass einem irgendwo ein Fußball entgegenspringt. Will ich Bier, Kuchen, eine Kaffeemaschine oder was weiß ich kaufen - auf jeder Verpackung blinkt mir ein Fußballlogo entgegen. Schalte ich den Fernseher ein - Fußballwerbung auf allen Kanälen. Hör ich Radio, Sie ahnen es schon. Heute lag bei uns im Kindergarten eine Zeitschrift aus, mit einem großen Fußball darauf, diesmal ahnen Sie es vielleicht nicht, denn es war keine Fußballzeitung, sondern eine Familienzeitschrift. Aber mit einem Monat Fußball sanieren wir unsere Wirtschaft, denkt jedenfalls die Wirtschaft und sagen unsere Volksvertreter. 60.000 Arbeitsplätze werden geschaffen, davon 20 000 auf Dauer, sagte man. Jetzt beginnt die Ernüchterung. Gerade mal die Hälfte größtenteils kurzzeitige Arbeitsplätze und die wiederum im 400 Euro Minderlohnbereich werden es wohl nur werden - sagt man jetzt. Das "Motschegiebchen" jedenfalls wird wohl die einzige fußballfreie Zone bleiben und ich denke, das ist gut so.

Und plötzlich fallen die Arbeitslosenzahlen?!

um Hartz IV. Auch so ein Heilsbringer - glaubte man damals der Wirtschaft und der Politik. Für manchen Wirtschaftler wurde es auch der Heilsbringer, denn nun kann man ganz offiziell Löhne unter Lebensniveau zahlen, der Staat stockt dann auf Hartz IV auf. Deshalb gibt's zur ersten Lohnbescheinigung gleich das Antragsformular für die staatliche Stütze dazu. Und die Politik? Damals tönte es "Fördern und Fordern". Gefordert wird nun vom ersten Tag an. Mit dem Fördern wollte das nicht so recht gelingen. Ein Hartz IV zaubert eben keine Arbeitsplätze. Jetzt heißt es nur noch Mißbrauch, das System kippt, wenn wir nicht Sanktionen noch mehr verschärfen. Die Medien sind voll, die Große Koalition überschlägt sich, Arbeitslose werden im "Paket" verunglimpft und als Schmarotzer und Faulenzer geoutet. Sprechen wir Klartext: Nicht einmal 1 % mißbrauchen "Die Reform aller Reformen" und deshalb feiert jetzt das Parlament ein Optimierungsgesetz, dass die Sanktionen nun zum x-ten Mal verschärft. Keiner spricht von der Arbeit, die nicht da ist. Keiner von denen, die nach 40/50/60 Bewerbungen ohne Aussicht auf Arbeit resigniert haben. Anstatt nun einmal über Mindestlöhne nachzudenken, will man jetzt im Gegenteil die Geldleistung an sich zusammenstreichen - auf das unwürdige Niveau, mit dem manch Unternehmer (siehe oben) seine Arbeitnehmer abspeist.

April 06

Wir Deutschen sterben aus oder wie Ursula von Leyen sagt: "Die hohe Kinderlosigkeit ist alarmierend." Und wer ist Schuld? "Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagt Frau Kerstin Griese (SPD) ihres Zeichens Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses. So so Frau Griese, nur wer war denn an der Regierung in den letzten Jahren? Ihre Erkenntnis hörte ich schon, da war ich gerade mal zum politisch denkenden Jugendliche pubertiert. Nur umzudenken vermag in dieser Republik leider niemand, denn der Staat kann der Wirtschaft doch nicht vorschreiben, Mütter einzustellen, sind diese doch in jungen Jahren mit Kind ein Risiko für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes und mit 40 schon viel zu lange ohne Berufserfahrung, um sie noch gebrauchen zu können. Es ist in diesem Land ein Armutsrisiko, Frau zu sein - armes Deutschland. Bestausgebildete Frauen verschwinden in diesem Land in einem Bermudadreieck, geschaffen von Politik, Wirtschaft und uns allen, die dies einfach so hinnehmen.

Zur Oberbürgermeisterwahl:

Nicht auf das Lächeln kommt es an!
Liebe Leser am 10. April ist es wieder soweit, wieder einmal haben Sie die Möglichkeit an der Wahlurne zu bekunden, welche/r Politiker/in die Geschicke Ihrer Stadt für die nächsten 7 Jahren lenken soll.
Und nun lächeln Sie wieder, die freundlichen Kandidaten, die alle nur Ihr Bestes (Ihre Stimme) wollen. Ein kurzer Spruch, ein schönes Bild, dass muss reichen, nach der Wahl wird Ihre Meinung nicht mehr so umworben, da machen wieder die Lobbyisten die Politik. Gehören Sie zu der Gruppe Mensch die eine Lobby hat. Oder haben Sie das Gefühl, bisher wurden meine Interessen eigentlich kaum vertreten.
Also schauen Sie Ihrem Kandidaten nicht nur in die Augen - sondern vor allem ins Gedächtnis.
Wie war das die letzten 7 Jahre, wie hat sich da der Kandidat /die Kandidatin verhalten. Was ist in Ihrem Wohnumfeld passiert, wie steht es um die Kultur, wer hat sich um die Kinder, die Alten, die Behinderten verdient gemacht. Welche/r Kandidat/in war vor Ort, hat sich Ihr Sorgen und Nöte angehört und sich nicht nur zu einem Pressetermin sehen lassen.
Jeder Kandidat hat ein Programm, nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie wenigstens die Kurzfassung. Vergleichen Sie diese mit Ihrem Erfahrungen, die Sie in der letzten Legislaturperiode gemacht haben.
Und noch eins zum Schluss: Nichts wird besser, wenn Sie nicht zur Wahl gehen! Damit ärgern Sie niemand. Insgeheim freut sich eher manch Politiker, wenn Sie Ihre Meinung für sich behalten und am Wahltag zu Hause bleiben. Bei einer Volksbefragung, einem Bürgerentscheid, da gibt es Sie - die Quoten, die die eine Wahl erst gültig machen (gerade ist in Sachsen Anhalt ist der Bürgerwunsch nach einer verbesserten Kindertagesstättenbetreuung an der Quote gescheitert). Ein Bürgermeister kann im Prinzip von seinem Freundeskreis gewählt werden - auch in einer Großstadt! Also kommen Sie heraus aus Ihrem "Schneckenhaus", damit der beste Kandidat Oberbürgermeister dieser, Ihrer Heimatstadt wird.

März 06

Welch ein Glück - wir haben die Vogelgrippe! Medien und Politiker aller Länder haben wieder ein Thema, das uns die Alltagssorgen und -freuden vergessen lässt. Es gibt Sonderberichtserstattung, Brennpunkte, wichtige Äußerungen und Schuldzuweisungen. Vögel sind gestorben. Jährlich sterben 1000sende Vögel in Käfighaltung, weil Sie nur ein A4 Blatt Lebensraum haben. Keine Sondersendung, kaum eine Meldung ist dies wert. 97 Menschen der 6,5 Milliarden umfassenden Weltbevölkerung sind am H5N1 Virus gestorben. Jährlich sterben 1000sende Babys an Unterernährung, doch auch hier keine Sonderberichterstattung und kaum eine Meldung die dieser Umstand uns wert ist. Da müssen Armeeeinheiten mit gespenstig wirkenden Schutzanzügen kamerawirksam suchend durch die Landschaft laufen, da werden Seuchenmatten ausgelegt, die nie ein Vogel betreten wird, da wird eine ganze Region zur "Todeszone" erklärt, nur weil sich Politik und Medienrummel gegenseitig hochpuschen. Parallelen tun sich auf. Auch bei dem Thema BSE sah man Reporterscharen vor Europas Ställen. Auch dies war ein gefundenes Fressen um sich zu profilieren. Zurückgeblieben ist nur die Erinnerung an ein von Menschen geschaffenes Desaster.

Januar 06

Wie familienfreundlich ist Leipzig eigentlich? Geht es nach Aussage seines scheidenden Stadtoberhauptes gibt es sicher keinen seligeren Ort für Familien in Deutschland. Schaut man in die Studie über familienfreundliche Städte in Deutschland ist man schon näher an der Realität, wie es Eltern und ihren Sprösslingen in Leipzig geht.
Schauen wir nur mal in die Leipziger Tageszeitungen wird einem doch als "Familienmensch" etwas mulmig zu mute. Die Müllgebühren steigen, die Gaspreise werden exorbitant heraufgesetzt, die Fernwärme verteuert sich. Genauso verhält es sich mit den Stromkosten und den Preisen für den öffentlichen Nahverkehr. Wohlgemerkt sind das alles Kosten, die von stadteigenen Firmen erhöht werden. Firmen wie die Stadtwerke, die mit ihren ständig steigenden Gewinnen dazu beitragen müssen, dem Stadthaushalt die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese Erhöhungen treffen Familien mehrfach, schließlich verbraucht jedes Familienmitglied extra Strom und Gas, muß extra bezahlen in der Straßenbahn oder im Zoo.
Und nun dies: In Krippe, Kindergarten und Hort werden die Elternbeiträge angehoben. Hier trifft man sie wieder, die Strom- und Fernwärmeerhöhungen der Stadtwerke. Diese werden nun zum zweitenmal auf die Familien, und nur auf die!, umgelegt - in Form einer Gebührenerhöhung. Die Stadt Leipzig ist eine der Städte in Sachsen, die die höchstmöglichen Gebühren, die das Gesetz zulässt, als Elternbeiträge abverlangt! Es wäre durchaus möglich, nicht 23% bei Krippen bzw. 30 % bei Kindergarten und Hort als anteilige Kosten an der Kindertagesstättenfinanzierung sondern weniger von den Eltern zu verlangen. Andere Gemeinden machen uns das vor. Und jetzt das erstaunliche: Fantasievoller, energischer und ausdauernder Protest der Leipziger Eltern und des Elternrates waren gefragt. Doch nichts geschah! Bleibt die provokante Frage: Ist das ein Wink an die Verwaltung, die Gebühren gleich noch einmal steigen zu lassen???

Oktober 2005

Familie?
3 Themen 1 Aussage! Welchen gesellschaftlichen Wert hat die Familie in Zeiten der allgemeinen wirtschaftlichen Krise? Längst scheint Sie gerissen - die Kette - und zwar an Ihrem schwächsten Glied - Der Familie.
30 Mio Kürzung und eine Kopfprämie für Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kindertagesstätte bringen, wird in Thüringen von der regierenden CDU als das Beste - was Thüringern geschehen kann - gepriesen. "In Zeiten in denen die Mittel rar sind, muss der Staat umdenken", so der amtierende Sozialminister Zeh. Wie denkt ein Staat um? Indem er von denen Solidarität verlangt, die viel haben? Schließlich spricht schon das Grundgesetz davon, dass "Reichtum verpflichtet". Logisch gedacht hieße das, dass die Familien diejenigen im Staate sind, die große Einkommen und hohe Sparbeträge auf ihren Konto haben.
Wie passt dazu Meldung 2: Der Familienbericht der Bundesregierung weist 300 000 Kinder mehr in Armut aus. Dieser sprunghafte Anstieg mittelloser Kinder und deren Eltern ist im übrigen auf die Einführung von Harz IV im vorigen Jahr zurückzuführen. Erinnern wir uns: Der Kinderschutzbund prognostizierte vor Einführung von Harz IV, eine halbe Millionen mehr Kinder würde unter die Armutsgrenze abrutschen, und wurde dafür von der Bundesregierung als Dummschwätzer gebranntmarkt.
Eine letzte Meldung zum Thema kommt aus Hamburg. Dort hat das Landgericht verfügt, dass ein Kindergarten geschlossen werden muss, denn die Geräusche, die Kinder verursachen, sind den Anwohnern nicht zuzumuten. Muss man sich in so einem kinderfeindlichen Klima noch wundern, dass Deutschland ein Land mit einer der niedrigsten Geburtenrate überhaupt ist. Außerdem muss man den Hut ziehen vor all den Müttern und Vätern, die sich Tag für Tag den Geräuschen aussetzen, die Kinder nun einmal machen.

September 2005

Die Wahl ist gelaufen, doch gelaufen ist noch nichts.
Wer kein Geld hat um ins Kabarett zu gehen, sollte die Gelegenheit nutzen und sich an einem Wahltag nach der Wahl ab 18.00 Uhr vor den Fernseher setzen. Den Gipfel der Genüsse gibt es, wenn es Bundestagswahlen gibt. Dank des Bundeskanzlers und seines Erfindungsgeistes war es jetzt wieder einmal so weit. Da tritt also Angela Merkel vor die Kamera und sieht sich als klare Siegerin, obwohl Ihre Partei in den letzten Wochen 10% verloren hat und nun mit 0,9% Vorsprung vor der SPD einen eindeutigen Wählerauftrag sieht. Der Kanzler mit eben diesen Rückstand sieht sich natürlich auch als klarer Sieger und beansprucht den obersten Podestplatz für sich.
Natürlich sind auch die anderen Parteien klare Sieger, auch wenn Sie bei der derzeitigen Konstellation allesamt in die Opposition geschickt werden.

August 2005

Das Land Sachsen schreibt an einem neuem Kindertagesstättengesetz. Einiges wird sich ändern und nicht alles ist als gut zu bewerten. Außerdem fehlen einige Dinge, die wir als „Runder Tisch Kindertagesstätten“, damals in trauter Runde mit der SPD, im Dresdner Landtag vehement gefordert haben.

Juli 2005

Ein Jahr Familienzeitung in Leipzig, wer hätte das gedacht. Voriges Jahr im Juni machten wir uns daran einen schon lange gehegten Gedanken in die Tat umzusetzen. Auslöser war wieder einmal ein Artikel über Familienarmut und dem stetigen Geburtenrückgang in Deutschland.
Uns nervte dieses öffentliche Bild von Familie schon lange! Seit Jahren weiß Politik und Gesellschaft um diesen Umstand, aber es wird eben immer bloß Bilanz - nie aber eine Konsequenz gezogen.
Die erste Konsequenz ist eben, die Familie in den Medien nicht immer als Randgruppe darzustellen, die nichts leistet und von staatlicher Unterstützung lebt - sondern ihr eine Lobby zu geben und die Leistung der Familie für den Erhalt der Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken.

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