"Hilfe mein Kind beißt, schlägt und tritt"

Ein Kind, vielleicht sogar ihr eigenes, geht auf ein anderes Kind los, unsozial und aggressiv. Sie sind entsetzt, enttäuscht und wütend. Was ist los mit diesem Kind? Hat es denn etwa einen schlechten Charakter? Was denken denn die Leute über mich und meine Erziehung? Braucht mein Kind vielleicht doch nur einmal krä,ftig ein paar hinter die Ohren? - Bloß, nicht!

Kinder lernen sehr viel durch Beobachtung und Nachahmung.
Schreien Sie also das Kind an oder verpassen ihm gar einen Klapps als deutliches Zeichen, dass Sie sein aggressives Verhalten nicht dulden, dann hat Ihr Kind soeben die Lektion erhalten, dass Recht durch Schreien und Schlagen geschaffen wird. Das Kind wird vermutlich nicht zügern, genau das, was sie nicht wollten, bei nächster Gelegenheit zu tun. Und es würde sich im Recht fühlen, denn es hat ja genau das getan, was Sie auch tun.
Kinder müssen lernen, Konflikte eigenständig zu lösen. Dafür brauchen sie aber auch Vorbilder. Verhindern Sie also nicht jeden Streit, aber nehmen Sie die Streithähne auseinander, wenn sie sich schlagen und sehr ungerecht behandeln. Trösten sie dann beide!
Vermitteln Sie in Konflikten, wenn die Kinder keine eigene gute Lösung finden. Zeigen Sie dem Kind ganz konkret, was es tun kann, wenn es enttäuscht ist, wenn es sehr verärgert und wütend ist! Es ist einfach wütend, weil ihm vielleicht ein anderes Kind etwas weggenommen hat, oder es sich etwas sehr wünscht, was ein anderes Kind hat, oder weil es einfach gerade mit sich unzufrieden ist!
Üben Sie mit dem Kind, das andere Kind zu fragen, zu bitten und mit ihm zu verhandeln, oder weg zu gehen und etwas anderes zu spielen.
Sprechen Sie mit ihrem Kind darüber, was es in solchen für es schwierigen und für es frustrierenden Situationen erlebt und fühlt. Helfen Sie ihm dabei, diese Gefühle zu benennen.

Wenn Ihr Kind immer wieder sozial verträgliches Verhalten bei Erwachsenen und anderen Kindern beobachten kann und soziales Verhalten mit ihm geübt wird, geht es einen wichtigen Weg, um von sich aus auf aggressives Verhalten verzichten zu können. Und dabei braucht es Sie, die Erwachsenen, als geduldige, liebende und verzeihende Weggefährten.

Und wissen Sie doch mal nicht mehr so recht weiter, sind sich unsicher oder möchten einfach nur mal einen Rat von einer anderen Seite hören, dann rufen Sie in einer Erziehungsberatungsstelle an und lassen sich einen Beratungstermin geben.

von Christian Heckmann