Kostenfalle Handy ?!
"2,99 für meinen Namen auf dem Handy - muss das sein?" Das Handy in der Familie
Die meisten Kinder wollen ein Handy. Sie werden mit der Werbung zum Thema Handy groß. Sie kennen die Kinderzahnbürste, die wie ein Handy aussieht. Die Teletubbies kann man als Spielzeughandys kaufen. Zwischen den Kindersendungen auf den privaten Fernsehsendern wird über die Werbung den Kindern nahegebracht, dass sie unbedingt ein Handy brauchen. Damit kann man ja neben dem Telefonieren auch prima spielen, Musik hören und mit anderen SMS austauschen. Dass das alles auch Geld kostet, ist meist recht klein gedruckt.
Nach meiner Erfahrung aus Projekten und Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Sozialarbeitern und Eltern haben bereits die
Hälfte der Kinder ab der 5. Klasse ein Handy. Bei den älteren Schülern steigert sich der Ausstattungsgrad
auf über 90 %.
Eltern geben den Druck der Kinder oft nach, weil sie in der Handynutzung Vorteile sehen wie z.B. die kurzfristige Erreichbarkeit, also die verlängerte "Leine". Das gibt oft das Gefühl, die Kinder etwas unter "Kontrolle" zu haben. Außerdem ist es ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass sich das Kind im Notfall per Handy melden kann.
Der Wert des Handy für die Kinder stellt sich anders dar. Kinder spielen gern, grenzen sich zu anderen ab oder wollen gerade auch dazugehören. Das Handy kommt dem Bedürfnis nach Individualisierung entgegen. Mit bestimmten Klingeltönen, Logos oder Handyoutfit kann man sich toll abgrenzen oder zeigen, dass man dazu gehört, "in" ist. Das wird immer wichtiger, je älter die Kinder werden. Auch gegenüber den Erwachsenen kann man sich gut abgrenzen, da diese oft ja gar nicht wissen, was man mit dem Handy noch alles machen kann. Bei Jugendlichen ist das Handy deshalb so erfolgreich, weil es ihnen hilft, miteinander Kontakt zu halten und dabei doch ständig mobil zu sein. Die Handynutzung entspricht dem Bedürfnis nach Integration.
Dennoch gibt es kritische Punkte, mit denen man sich als Eltern beschäftigen sollte. Dafür stehen Themen wie Kosten und Schuldenfalle, elektromagnetische Felder sowie Erotik und Pornografie, um nur einige zu nennen. Auf der Homepage www.jugend-lsa.de/jugendschutz finden Sie unter Arbeitsergebnisse eine kleine Broschüre mit Tipps und einen Aufsatz zum Thema "Handy in der Pädagogik".
Meine Tipps für Sie als Eltern:
Erstens, sprechen Sie mit ihrem Kind regelmäßig, wie es das Handy nutzt. Lassen Sie sich auch mal zeigen, wie etwas funktioniert.
Dadurch lernen Sie etwas vom Handy kennen und sind relativ gut informiert, ob durch exzessives Nutzen z.B. die Gefahr des leichtsinnigen
Umgangs mit Geld besteht. Übrigens, 10 bis 12jährige Kinder kommen mit einer Prepad-Karte für 15 Euro etwa 3 Monate aus.
Zweitens, wenn Sie für Ihr Kind ein Handy beschaffen, lassen Sie sich nicht von den so genannten Einsteigerhandys blenden. Die kommen
möglicherweise durch die Nutzung von kommerziellen Angeboten wie Klingeltöne und Logos später teurer. Achten Sie darauf, dass
es die Möglichkeit bietet per Kabel, Infrarot oder Bluetooth mit einem Computer zu kommunizieren. Nur so haben Sie die Möglichkeit,
den kostenpflichtigen Angeboten aus den Medien (Fernsehen, Kinder- und Jugendzeitschriften, Jugendveranstaltungen) selbst hergestellte
Klingeltöne oder Hintergrundbilder entgegenzusetzen. Die kosten keine 2,99 oder mehr.
Drittens, verlangen Sie von Jugendarbeit und Schule, dass das Handy in die Arbeit einbezogen und dadurch die Medienkompetenz gefördert
wird. Scheuen Sie sich nicht, von Ihren Kindern zu lernen. Es macht Spaß und es öffnet manchmal Türen für intensivere,
harmonischere Beziehungen in der Familie.
Die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. bietet zum Thema Handy für Eltern und pädagogische Mitarbeiter Informationsveranstaltungen zu Risiken und Chancen der Handynutzung an und zeigt Anregungen für die Praxis.
Zum Schluss noch ein Spiel. Probieren sie es ruhig zwei oder dreimal mit Ihrem Kind, bevor Sie ihm das Prinzip erklären. Es wird es sicher bei nächster Gelegenheit mit Freunden wieder spielen.
Volle 100 (für zwei SpielerInnen)
Für dieses Spiel nimmt man den Rechner des Handys. Eine MitspielerIn tippt eine Zahl zwischen 1 und 10 in den Rechner und sagt sie
der MitspielerIn, die diese Zahl dann bei sich eintippt. Die zweite MitspielerIn nennt nun eine weitere Zahl zwischen 1 und 10 und addiert
sie dazu. So geht es abwechselnd immer weiter. Es schadet nichts, wenn man die Zwischensummen laut abgleicht, damit man merkt, wenn man
sich vertippt haben sollte. Die SpielerIn, die direkt auf die Zahl 100 kommt, hat gewonnen. (Das Ziel 100 ist für den immer erreichbar,
der zuvor auf 89 gelangt ist. Denn die MitspielerIn kann mit der höchsten erlaubten Zahl 10 ja nur auf 99 kommen. Die
kleinste Mindestzahl ist dann die 1, die zur 100 führt. Die Zahl 89 ist mit gleicher Sicherheit von 78, die 78 von 67, die 67 von
56 usw. zu erreichen.)
Zur Person:
Arnfried Böker
Geb. 1968 in Wernigerode
Zwischen 1981 und 1992 in Leipzig gelebt
Geschäftsführer der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V.
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