Ökoladen
Pro –
Einkaufen im Ökoladen
von Stefan Werner
Contra –
Einkaufen im Ökoladen
von Michael Jürgen Busch
Seitdem Menschen angefangen haben, die ersten Früchte, die ersten Getreidekörner, die ersten selbst erjagten Tiere zu sich zu nehmen, seitdem ernährt sich die Menschheit schon biologisch. Erst in der Generation unserer Groß– eltern wurde angefangen, Gärten und Äcker mit Chemikalien zu behandeln, vorher gab es die nämlich gar nicht. Fast gleichzeitig kamen die ersten Gifte gegen Unkräuter, gegen Pilze, gegen Insekten auf. Es sah so aus, als würde man damit Hunger und Unterernährung großer Teile der Weltbevölkerung beseitigen können. Als unsere Eltern noch jung waren, wurde die Massentierhaltung modern, das Fleisch wurde billiger, dafür wurde es dann in der Pfanne etwas kleiner. In unserer heutigen Zeit wird Saatgut so gezüchtet, dass es die Bauern nicht mehr selbst vermehren dürfen.Ich will mit diesem kurzen geschichtlichen Abriss sagen, dass die Menschheit schon immer von Bio-Produkten lebt und die sogenannte konventionelle Landwirtschaft erst seit ca. 80 Jahren existiert. Was hat uns nun die moderne Landwirtschaft gebracht? Um das richtig wahrzunehmen, empfehle ich mal folgendes Experiment:
Man besorgt sich ein paar (Kinder)bücher über das Leben auf dem Bauernhof, über Tiere in Wald und Flur, ein Buch über Singvögel vielleicht oder Schmetterlinge.Die liest man sich durch und läst auch die Bilder auf sich wirken. Man hat dann eine ziemlich romantische Vorstellung vom Landleben und möchte gleich aus der Stadt raus und auf den Bauernhof. Mit diesem idyllischen Bild im Hinderkopf geht man dann los, raus ins Landleben und sucht die Idylle.
Wenn man Glück gehabt hat und einen Feldweg fand, der noch nicht umgepflückt wurde, dann sucht
man vielleicht eine blühende Wiese mit Schmetterlingen, aber da wo eine sein könnte, ist zwar Grün, aber da blüht
kaum noch was, weil diese Wiese mit Gülle überdüngt und viel zu oft gemäht wurde, um die noch vorhandenen
Wiesenblumen noch vor der Blüte ernten zu können.
Wo sind die Rinder, die doch eigentlich auf der Wiese stehen müssten? Sucht man Schmetterlinge, Hummeln und Bienen?
Es sind keine da, nur von Gras können sie nicht leben. Aber vielleicht gibt es ja eine Feld- hecke, wo sich Hasen verstecken
könnten? In den meisten Fällen wurden Hecken schon vor einigen Jahrzehnten gerodet, um mit den Maschinen das Land
effektiv bewirtschaften zu können. Auf unserer Wanderung erscheint nun von Ferne ein Dorf. Wir über– schreiten
einen Bach, aus dem wir lieber nicht trinken möchten, weil er seit Jahren überdüngt ist. Wir erreichen das Dorf,
doch das Dorf hat fast keine Bauernhöfe mehr, weil man als Bauer auf einem kleinem Hof, der gerade so viele Tiere hat,
wie er auf seinem Land ernähren kann, kaum noch Überlebenschancen hat.
Statt der Bauernhöfe erblicken wir jetzt doch endlich einmal Tiere, dafür aber sehr viele auf einem Platz. Wir
stehen vor der Schweinemastanlage und staunen, wie es denn möglich ist, so viele Tiere auf so wenig Platz unter- zubringen.
Sogar ein Stadtmensch spürt, dass sich die Tiere dort nicht sonderlich wohlfühlen. Wir beenden unsere Wanderung und
kommen darüber ins Grübeln, warum die Landschaft so leidet, wir wissen ja, dass es nicht immer so war und auch nicht
so sein müsste. Vielleicht wissen wir jetzt auch, warum es uns im Urlaub immer so weit weg zieht, in Landschaften, welche
schöner sind, schöner als die Agrarsteppe, die wir jeden Tag sehen, mit Blumen und Tieren. Wir entdecken vielleicht
unsere Mitschuld daran, weil wir uns an billige Nahrungsmittel schon so gewöhnt haben, dass wir annehmen, das sei normal.
Heute haben wir uns ein Thema in Pro & Contra herausgesucht, bei dem sich keiner offen zum Contra bekennen
möchte oder sehen wir es positiv – wir niemanden finden, der dem skeptisch oder ablehnend gegenübersteht.
Nur – so kann es nicht sein, denn schließlich werden nur 16 % (sinkend) vom Gesamtvolumen als ökologische Lebensmittel gekauft.
Am Bekanntheitsgrad (94 %) kann es nicht liegen.
Am Preis schon eher. Denn der akzeptierte Mehrpreis, den der Bundesbürger
für ökologische Ware ausgeben würde, liegt gerade mal bei 13%. Ich glaube an diesem Punkt liegt auch "der Hund
begraben", warum der Bundesbürger lieber beim Discounter einkauft. Bei sinkenden Reallöhnen, "Harz IV",
Renten, die eine Nullrunde nach der anderen erleben und bei einer "Geiz ist Geil"–Mentalität ist nun mal der
Supermarkt um die Ecke weit im Vorteil gegenüber dem Ökoladen, zu dem man zu allem Übel einiges an Weg auf sich nehmen muss.
Längst haben auch viele Ökoladenbesitzer, im nackten Existenzkampf gegen die Dis-counter, ihre Rolle des "Missionierenden"
aufgegeben und sich mit ihrem Angebot an der zahlungskräftigen Kundschaft, aber nicht auf die normale Familie, orientiert.
Einer wollte sich dann doch noch zum Thema äußern. Herr Andreas Herrmann sagte uns: In der Zwickmühle zwischen "schon ganz gerne gesunde Kost kaufen zu wollen", aber finanziell nicht zu können, hilft nur Sarkasmus. Sprach´s und schrieb folgendes:
Liebe Ökos,
meine Mutti hat schon ganz lange keine Arbeit mehr. Mein Vati verdient auch nur ganz wenig für seine viele und schwere Arbeit.
Mutti schimpft immer, dass sie Äpfel aus Israel herschleppen muß. Aber die Äpfel aus Deutschland sind alle ganz klein, sauer und teuer.
Warum ist der israelische Ökoladen soweit fort? Ist er eingeweckt?
Die Tomaten sind schön groß, saftig und weich.
Vati sagt, das kommt von dem Transport auf dem Rhein. Rein sind sie trotzdem nicht. Ich muß immer noch toll viel waschen.
Dabei ist Wasser so teuer. Vati sagt, unsere Politiker reden Blech. Mutti kauft immer Essen aus Blech. Es ist billig und ich muß
es nicht mehr putzen.Wir alle lieben die Natur und sind oft im Garten von unserem Opa. Opa sagt immer, an die Bäume gehören
Pferde und auf die Beete gehören Kühe. Warum?
Der Nachbar vom Opa streut immer blaue Krümel auf die Beete und hat
die große Ernte. Ich hab ihn auch noch nie mit der Hacke schuften sehen. Unkraut rupft er auch nicht. So was erledigen die blauen
Krümel. Bloß wenn er Langeweile hat, spritzt er mit dem Schlauch. Er sagt: "Auf der LPG machen es alle so und haben dicke Kartoffeln."
Liebe Ökos,
wann stellt Ihr meine Mutti oder meinen Vati an?
Ich verspreche Euch auch ganz toll, wenn meine Mutti und mein Vati richtig arbeiten dürfen und richtig Geld verdienen,
dann komme ich und kaufe jeden Tag viele gesunde Sachen.
Liebe Grüße
Eurer Andi (4. Klasse)
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