Car–Sharing
Pro –
Teil-Auto (Car-Sharing)
von Gitte Blücher
Contra –
Nicht unbedingt für Jedermann
von Melanie Gruß
In Zeiten von Klimaveränderung, steigenden Benzinpreisen aufgrund knapper werdender Ölreserven usw. ist es den meisten Menschen klar, dass der ausgeprägte Individual- verkehr nicht gerade dem Nachhaltigkeitsgedanken entspricht.
Dennoch glauben viele, dass für sie ein Leben ohne Auto nicht in Frage käme:
Wie soll das Kind in den Kindergarten oder in die Musikschule kommen?
Wie will man den Großeinkauf erledigen?
Wie will man in den Urlaub fahren?
Wie zum Fitnesscenter?
Wenn wir erzählen, dass wir mit drei Kindern ohne Auto gut leben können, ernten wir oft ungläubige Blicke.
Trotzdem: Es geht gut.
Hauptvoraussetzung ist natürlich, dass man kein Auto für den Arbeitsweg oder die Arbeit selber braucht. Da dieses aber bei uns gegeben ist, lässt sich der Rest gut organisieren.
Wir nutzen das Car-Sharing-Angebot von "teilauto". Unser dreijähriger Sohn bemerkt immer treffend: "Du hast viele Autos. Opa hat nur ein Auto."
Das ist schon der erste Vorteil: Je nach Bedarf mietet man einen Kleinwagen, den Kombi für den Familienausflug oder den
Transporter für den Umzug. Das geht recht einfach: Man bucht das gewünschte Fahrzeug telefonisch oder übers Internet.
Je nach Verfügbarkeit kann das sehr spontan geschehen.
Lediglich am Wochenende und in der Ferienzeit sollte man sich schon ein paar Tage eher bemühen, wenn man sich das Wunschauto
an der Wunschstation sichern will.
Natürlich ist jede einzelne Fahrt teuer im Vergleich zum reinen Benzinpreis. Zum Kilometerpreis von 27 Cent
(inkl. Benzin) kommt noch ein Zeitpreis (ab 2,30 EUR/Stunde bzw. 23 EUR/Tag oder 138 EUR/Woche; Preise für Renault Grand Megane).
Hinzu kommt eine monatliche Mitgliedsgebühr von 9 Euro.
So kostet eine Fahrt zum Baumarkt (3,5 h/18 km) etwa 11,50 Euro oder der Urlaub in Österreich (15 Tage/2000 km) 730 Euro.
Trotzdem geben wir im Jahr nur etwa 1000 Euro für das Autofahren aus. Dafür hatten wir immer maximal drei Jahre alte Autos,
mussten uns nicht um Versicherung oder TÜV kümmern. Auch die leidige Parkplatzsuche vor dem Haus raubt uns nur selten Zeit.
Wenn man den Anschaffungspreis für ein eigenes Auto dagegen hält, muss man nicht lange rechnen, was günstiger ist.
Gerade weil jede Fahrt so sichtbar teuer ist, überlegen wir gut, ob wir ein Auto nehmen müssen, oder ob wir auch anders
ans Ziel kommen. Wir legen Wunschlisten fürs Möbelhaus an, um nicht von einer spontanen Tour lediglich mit Teelichtern
heimzukommen. Von dieser Liste streichen wir dann nach und nach wieder so manches, weil wir es vor Ort bekommen haben, weil es uns
doch unnötig erscheint oder weil sich eine andere Lösung ergeben hat.
Unsere Wohnung liegt zentral, Dinge für den täglichen Bedarf kaufen wir in unmittelbarer Nähe, mit dem öffentlichen Nahverkehr und/oder mit dem Fahrrad (bei Bedarf samt Anhänger) sind wir schnell in der Stadt unterwegs. Da wir jetzt für unsere gewachsene Familie mehr Platz brauchen, ziehen wir demnächst um: mit einem Transporter von "teilauto". Natürlich liegt auch die neue Wohnung wieder zentral und in der Nähe einer Car-Sharing-Station.
Fazit: Ohne eigenes Auto lebt man nicht nur umweltbewusster, man spart auch eine Menge Geld. Und von dem gesparten Geld können wir dann so oft essen gehen!
Die positiven Aspekte der Idee von Teil-Auto liegen wohl klar auf der Hand:
Schonung der Umwelt, keine Nebenbelastungen durch Versicherungsbeiträge oder Reparaturen und keine Parkplatz-probleme.
Es scheint eine Sache der Einstellung zu sein. Dennoch ist Teil-Auto bei genauerer Betrachtung nicht für jedermann geeignet.
Als Faustregel heißt es von TeilAuto, dass alle die weniger als 10.000 km im Jahr fahren, mit Car-Sharing günstiger
kommen, als mit einem eigenen Auto. Die Kosten für das geteilte Auto gliedern sich in einen einmaligen Startpreis von 50 Euro
und einen monatlichen Grundpreis von 9 Euro, das heißt 158 Euro im ersten Jahr, in jedem weiteren 108 Euro nur für die Möglichkeit
ein Auto zu mieten.
Zusätzlich wird eine Kaution von 200 Euro erhoben. Hinzu kommt bei der Mietung eines Wagens eine Kilometerpauschale – je nach
Fahrzeugklasse von 0,22 bis 0,34 Euro – und der Zeitpreis für die gefahrenen Stunden – von 1,80 Euro/Std. bis 3,10 Euro/Std.
Daneben gibt es noch Extratarife für Viel– oder Wenigfahrer und Rabatte bei Zeit– und Kilometerpreis, je länger und
weiter die Reise ist. Ein vierstündiger Großeinkauf im Ford Focus einmal im Monat mit einer Fahrtstrecke von 20 km
schlägt mit 14,60 Euro zu Buche, im Jahr macht das ca. 175,20 Euro plus der monatlichen Beiträge. Damit es sich lohnt,
muss Teil–Auto also häufiger in Anspruch genommen werden – fürs Einkaufen, den Umzug (einen Tag, 30km, Transporter = 41,20 Euro) und die Urlaubsreise (1 Woche, 1000 km, Ford Focus = 288 Euro).
Wer also nur ein- bis zweimal im Jahr ein Auto braucht, sollte auf herkömmliche Autovermietungen zurückgreifen!
Teil-Auto wirbt mit mehr Flexibilität und Unabhängigkeit, da die Haltung und Wartung eines Pkw wegfällt. Jedoch
ergibt sich eine neue Abhängigkeit durch die Bindung an Buchungszeiten.
Unvorhergesehene Zwischenfälle, wie ein Stau, können zu bösen Kostenfallen werden. So kann es natürlich auch
passieren, dass der Vormieter das Fahrzeug nicht pünktlich zurückgebracht hat. Teil–Auto stellt zwar in diesem Fall
einen Ersatz oder zahlt die Taxikosten zur nächsten Station, an der ein Auto verfügbar ist. Der Zeitverlust und der zusätzliche
Aufwand können damit aber nicht erstattet werden.
Ebenso gestalten sich Spontanausflüge eher schwierig. Das Auto muss gebucht und falls verfügbar, was an den Wochenenden
und in den Ferienzeiten nicht immer garantiert ist, an der Station abgeholt werden. Liegt die ungünstig zum Wohnort, muss
dafür wiederum extra Zeit eingeplant werden. Ein Nachteil ist auch, dass das Fahrzeug an der Station wieder abgestellt werden
muss, wo es abgeholt wurde. In Leipzig stehen 14 Stationen mit über 50 Autos zur Verfügung, wobei an einigen nur ein oder zwei
Autos vorhanden sind. Transporter stehen nur in der Südvorstadt bereit. Für Familien, die doch schnell mal auf einen sofort
verfügbaren fahrbaren Untersatz angewiesen sind oder mit Kleinkindern Abfahrts- und Ankunftszeiten nicht so genau planen können,
gestaltet sich das eher schwierig. Eine Stornierung muss mindestens 24 Stunden vor Beginn der Buchungszeit erfolgen, ansonsten trägt
der Kunde die Hälfte der angefallenen Zeitkosten.
Zudem legt nicht jeder Wert darauf, verschiedene Fahrzeugtypen – vom Mini bis zum Kleinbus – zur Verfügung
zu haben. Viele möchten nicht jedes Mal ein anderes Auto fahren und sich umstellen. Ein eigenes Auto ist eben ein eigenes Auto.
Besonders bei Reisen und Ausflügen mit Kindern ist allen Eltern klar, dass das Auto danach einer gründlichen Reinigung von
Kekskrümmeln und anderen Verschmutzungen bedarf. Auch bei TeilAuto entfällt das nicht und muss in die Buchungszeit eingeplant
werden, ebenso das Tanken und die Überprüfung der Betriebsflüssigkeiten und des Reifendrucks, ansonsten wird bei dadurch
entstandenen Problemen eine Strafgebühr von 25 Euro fällig. Schadensersatzforderungen entstehen auch durch Verlust der
Kundenkarte oder bei Eingabe einer falschen Pin–Nummer.
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