Die Bereitschaftspflege
Liebevolle Betreuung gesucht ...
... es ist spät – draußen ist es still geworden. Das Kind schreit wieder, seine Mutter liegt am Boden und schwebt in einer anderen Welt. Sie hat mal wieder Drogen genommen. Das tut sie jetzt fast täglich – sobald sie das nötige Geld dafür beisammen hat. Das Geld zusammen zu bekommen – damit ist sie den ganzen Tag über beschäftigt. Um ihr Kind kann sie sich dabei kaum noch kümmern. Die Nachbarn hatten schon lange so einen Verdacht. Jetzt sind sie sich sicher, dass in der Wohnung nebenan etwas nicht stimmt. Sie rufen das Jugendamt an...
Immer wieder kommt es vor, dass Kinder aufgrund von Krisensituationen in der eigenen Familie nicht länger von ihren Eltern versorgt werden können. Die Ursachen dafür sind so vielfältig wie Struktur und Verhältnisse der Familien selbst. Oft spielen Alkoholismus, Drogensucht oder Missbrauch eine gewichtige Rolle, manchmal ist die Unterversorgung der Kinder aber auch auf überforderte oder auch kranke Eltern zurückzuführen. In diesen Fällen sucht das Jugendamt nach Lösungen.
Wer kümmert sich um ein Kleinkind, solange seine Mutter dazu nicht in der Lage ist? Wenn es keine für die vorübergehende Betreuung in Frage kommenden Verwandten gibt, wird das Kind in ein Heim gebracht. Hier bekommt das Kind, was es zu Hause wohl selten erfahren hat: Regelmäßige Abläufe, Sicherheit und vielleicht auch etwas Ruhe, um aufzuatmen. Aber das, was die meisten Kinder, die oft traumatisiert und mit inneren und äußeren Wunden hierher kommen, am dringendsten brauchen, nämlich stetigen Kontakt zu ein und derselben Bezugsperson, Vertrauen und Geborgenheit, ist trotz aller Bemühungen in einem Heim kaum zu realisieren.
Seit wenigen Jahren bietet das Jugendamt Leipzig die Möglichkeit der Bereitschaftspflege. Dafür werden immer wieder geeignete Menschen gesucht, die sich
bereit erklären, Kinder in Notsituationen in ein warmes und aufgeschlossenes Familienklima aufzunehmen. Hier sind sehr viel Einfühlungsvermögen und
ein hohes Maß an Belastbarkeit gefragt. Ganz besonders wichtig dabei ist vor allem die Bereitschaft aller Familienmitglieder. Den Kindern sollte viel Liebe,
Geduld und Zeit entgegengebracht werden. Für die Pflegekinder sollte nach Möglichkeit ein eigenes Zimmer zur Verfügung stehen, um nicht die eigenen
Kinder mit dem Wechsel der Pflegekinder zu irritieren bzw. zu belasten.
Das Kind wird kurzfristig aus der Herkunftsfamilie abgeholt, nachdem entweder Polizei oder der zuständige soziale Dienst die Bereitschaftspflegeeltern informiert
hat – dies geschieht oft spät abends oder nachts. Bereitschaftspflegeeltern müssen zeitweise einen 24 Stunden-Rufbereitschaftsdienst leisten. Die Kinder
stehen dann meist unter starker psychischer Belastung, wurden misshandelt oder waren unterversorgt. Nach Möglichkeit werden auch Geschwisterkinder mit in die
Bereitschaftspflege-Familie aufgenommen.Die notwendige Grundausstattung, also Dinge wie Autositz, Kinderwagen/Buggy, Hochstuhl und Kinderbett für das Pflegekind,
wird vom Jugendamt gestellt. Des weiteren erhalten die Familien eine Aufwandsentschädigung. Den Pflegeeltern muss bewusst sein, dass das Kind nur solange in einer
Bereitschaftspflegefamilie bleibt, bis seine weitere Lebensperspektive geklärt ist. Das Jugendamt entscheidet, ob und wann das Kind wieder in die Obhut der
Herkunftsfamilie übergeben oder ob es dauerhaft woanders untergebracht wird (z.B. Adoption).
Voraussetzung für die Bereitschaftspflege ist ein pädagogischer Abschluss, z.B. Erzieher, Diplom-Psychologe, Sozialarbeiter, Erziehungswissenschaftler oder
Heilpädagoge (andere pädagogische Abschlüsse in Einzelfallentscheidung). Die angehenden Pflegeeltern werden in einem Bewerberseminar auf ihre
Tätigkeit vorbereitet und während der gesamten Zeit von Fachkräften begleitet.
Wenn Sie sich eine Tätigkeit in der Bereitschaftspflege vorstellen
können, oder wenn Sie weitere Informationen zum Thema Bereit–schaftspflege wünschen, können Sie sich gern melden bei:
Frau Marion Wiegand vom Diakonischen Werk – Innere Mission Leipzig e.V., Evangelische Jugendhilfe,
Gneisenaustr. 10,
04105 Leipzig
Telefonnummer : 0341/ 5612–1258.
Informationen zum Thema Bereitschaftspflege erhalten Sie auch beim Jugendamt der Stadt Leipzig,
Sachgebiet Adoptionsvermittlung und Pflegestellenmanagment,
Telefon 0341/ 123-4467 und 123-4656.
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