Weihnachten
Pro –
Weihnachten –
Das Fest echter Liebe
von Christiane Thiel,
Stadtjugendpfarrerin
Contra –
Weihnachten –
Das Fest des Schenkens
von Franziska Männe-Wickborn
"Ich kaufe, also bin ich." ist der Leitsatz der Konsumwelt des globalen Kapitalismus, der täglich tausende Menschenopfer kostet, indem Kinder unter unmenschlichen Bedingungen Schuhe und T-Shirts anfertigen, Frauen von Aufsehern in so genannten Sweatshops (Schwitzhütten) geschlagen, sexuell missbraucht und ausgebeutet werden und außerdem unsere Klamotten nähen. An vielen niedlichen Plüschtieren klebt Blut.Wenn Sie Genaueres wissen wollen, informieren Sie sich unter www.saubere-kleidung.de oder unter www.brot-fuer-die-welt.de, beides kirchliche Initiativen, die sich der Offenlegung der Hintergründe und dem Kampf um gerechte Arbeitsverhältnisse verschrieben haben.
"Ich kaufe, also bin ich."
offenbart nicht nur, wie blutig unser Reichtum ist, sondern führt bei genauem Hinhören und Nachdenken zu einer noch grausameren Wahrheit des Konsumterrors: der Einsamkeit. Einsame Menschen kaufen. Kaufende Menschen werden einsam. Und das nicht zufällig und nicht von Ungefähr. Das ist das Wesen des Konsums.
Wer nicht einsam ist, muss nicht einkaufen. (Außer den notwendigen Waren, aber das ist ja klar.)
Kinder brauchen keinen Konsum, solange ihre Seelen heil sind. Sie brauchen Geborgenheit, Wertschätzung und Zärtlichkeit. Sie spielen mit Erde und Stöckchen und kuscheln den alten Teddy. Das nächste Kleidchen oder noch ein Elektroauto ist eine weitere Wunde in der Seele. Was wollen Sie zu Weihnachten erreichen? Geborgenheit, Wertschätzung und Zärtlichkeit sind Farben der Liebe. Sie sind nicht käuflich. Sie sind auch nicht bestechlich. Die Lüge, Geschenke würden Wertschätzung ausdrücken, fliegt eines Tages auf. Die wahrhaft frostigen Temperaturen zwischen Fernseher und Weihnachtsbaum in vielen deutschen Familien liegen immer dann auf der Hand, wenn Sie feststellen, wie kalt es
in unserem Land ohnehin ist. Das Land der steinernen Herzen.
Was wäre ein Fest der Liebe? Wertschätzung erfahren Kinder und Partner und Partnerin durch Zuhören, Aufmerksamkeit und Geduld. Räumen Sie beim Festessen allen Anwesenden am Tisch Zeit ein, zehn Minuten von dem zu erzählen, was wichtig ist, ohne dass Sie sich gegenseitig ins Wort fallen und über den Mund fahren. Machen Sie sich Gespräche zum Geschenk! Zeit. Geborgenheit wird greifbar, wenn ich im Dämmerlicht mit Menschen spazieren gehe, denen ich vertraue. Ich halte ihre Hand. Ich kann mir sicher sein. Schenken Sie sich einen Spaziergang und lassen Sie das Auto stehen! Und schenken Sie Zärtlichkeit. Machen Sie das Leben wertvoll durch das Wertvollste, das Sie haben: die Zuwendung. Es braucht nichts anderes. Dann sind Sie übrigens genau dort, woher das Fest kommt: Gottes Zuwendung zur Welt ist ein verletzliches, unbezahlbares und auf Zuwendung angewiesenes Geschenk: ein Kind. Gott kommt als Kind zur Welt und hat nichts als Liebe zu verschenken. Lassen Sie sich zur Nachahmung verführen!
Ich finde, Geschenke gehören genauso zum Weihnachtsfest wie der Tannenbaum, der Weihnachtsmann, das Krippenspiel. Stellen Sie sich ein Weihnachtsfest ohne Geschenke vor? Geschenke sind ein Symbol der Liebe, zeigen sie doch dem Beschenkten, das man an ihn gedacht hat.
Ich mache mir jedes Jahr schon ab September Gedanken, was ich meinen Verwandten, Freunden und Bekannten alles Schenken kann. Auf einer großen Liste stehen alle Namen und dahinter für jeden zwei bis drei geplante Überraschungen.
Mein Mann findet das ganze maßlos übertrieben. Er sieht die Feiertage wie Weihnachten oder Ostern als viel zu kommerzialisiert an.
Ich hingegen sehe das überhaupt nicht so. Sicher, vielleicht übertreibt der Handel damit, ab Anfang September Lebkuchen anzubieten, aber der Weihnachts-Einkaufsbummel ist jedes Jahr ein unbedingtes Muss für mich. Ich schenke nämlich gern und
mache anderen gern eine Freude.
Das habe ich sicherlich von meiner Mutter übernommen. Sie hat das Schenken jedes Jahr zelebriert: Jedes einzelne Geschenk war liebevoll verpackt und für jeden gab es mehrere wunderschöne Überraschungen. Noch heute erinnere ich mich an meine
Weihnachtsgeschenke und daran, wie gespannt, unruhig und neugierig ich zwischen Gottesdienst und Bescherung war.
Die Heiligen Drei Könige haben dem Christkind ebenfalls Geschenke mitgebracht. Überliefert hat sich also mit der christlichen Weihnachtsgeschichte auch der Brauch des Schenkens.Und das finde ich sehr schön. Meiner Meinung nach müssten wir alle noch mehr schenken, auch denen, die am Weihnachtsfest sonst leer ausgehen. Schenken ist doch auch ein Zeichen von Nächstenliebe.
Ich werde auch in diesem Jahr Kataloge wälzen, in Kaufhäusern und Spielzeug-Läden stöbern und einen großen Sack voller Geschenke packen.Und ich hoffe, dass ich mit meinen Geschenken viel Freude bereiten kann.
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